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Woher die Zahl kommt

LeanPaw nennt jedem Hund ein Tagesbudget in Kilokalorien. Diese Seite erklärt, wie diese Zahl entsteht, auf welchen Quellen sie beruht und wo ihre Grenzen liegen. Geschrieben für alle, die es genau wissen wollen, und besonders für Tierarztpraxen und Hundeschulen.

Die Berechnung folgt der etablierten veterinärmedizinischen Kette aus Ruheumsatz und Aktivitätsfaktor, wie sie NRC 2006, WSAVA und die AAHA-Leitlinie 2021 beschreiben. Sie läuft vollständig deterministisch: dieselben Eingaben ergeben immer dasselbe Ergebnis. Die Sprachfunktion der App rechnet nicht mit, sie erklärt nur.

Schritt 1 · Welches Gewicht zählt

Soll der Hund abnehmen, wird mit dem Zielgewicht gerechnet, nicht mit dem aktuellen. Das ist der entscheidende Punkt und entspricht der Empfehlung der Pet Nutrition Alliance und der AAHA-Leitlinie: Ein Hund, der 30 Kilogramm wiegt und 25 wiegen soll, bekommt die Energiemenge, die ein 25-Kilogramm-Hund im Ruhezustand braucht. Das Defizit entsteht dadurch von selbst, ohne dass jemand eine Prozentzahl festlegen muss.

Soll das Gewicht gehalten werden, ist das aktuelle Gewicht die Grundlage.

Schritt 2 · Ruheumsatz

Der Ruheumsatz, in der Fachliteratur Resting Energy Requirement oder RER, hängt allein von der metabolischen Körpergrösse ab. Die Formel ist für Hunde und Katzen identisch und über alle Gewichtsklassen gültig:

RER = 70 × (Gewicht in kg)0,75 Ergebnis in Kilokalorien pro Tag

Der Exponent 0,75 stammt aus Kleibers allometrischer Skalierung: Der Energiebedarf steigt nicht linear mit dem Gewicht, sondern langsamer. Ein doppelt so schwerer Hund braucht deshalb keineswegs doppelt so viel.

Es existiert eine vereinfachte lineare Näherung (30 × Gewicht + 70), die nur zwischen 2 und 45 Kilogramm zulässig ist. LeanPaw verwendet sie nicht, sondern immer die exponentielle Form. Sie ist exakt, in jedem Gewichtsbereich gültig und für einen Rechner kein Mehraufwand.

Schritt 3 · Der Faktor

Der Ruheumsatz beschreibt einen ruhenden Hund. Für den tatsächlichen Tagesbedarf, Maintenance Energy Requirement oder MER, wird er mit einem Faktor multipliziert. Die Werte stammen aus der Tabelle der Pet Nutrition Alliance nach NRC 2006, die mit den Angaben des Merck Veterinary Manual übereinstimmt.

Faktoren, die LeanPaw anwendet
Situation Kastriert Intakt
Abnehmen 1,0  auf das Zielgewicht
Halten, ruhig 1,4 1,5
Halten, normaler Alltag 1,6 1,8
Halten, sehr aktiv 1,8 2,0

Der Kastrationsstatus ist der wichtigste Einzelfaktor beim erwachsenen Hund und macht rund zwölf Prozent aus. Für Senioren gibt es bewusst keinen eigenen Altersfaktor: NRC und die abgeleiteten Tabellen kennen keinen, und ältere Hunde werden über die Aktivität abgebildet. Wer ruhiger wird, rutscht in die untere Stufe. Einen Faktor zu erfinden, den die Quellen nicht hergeben, wäre Schein­genauigkeit.

Warum beim Abnehmen 1,0 und nicht weniger

An dieser Stelle sind sich die Quellen nicht einig, und das gehört offen gesagt. Die Tabelle der Pet Nutrition Alliance nennt für Hunde glatt 1,0 auf das Zielgewicht. Studien, die der AAHA-Leitlinie zugrunde liegen, messen bei tatsächlich erfolgreicher Abnahme im Mittel etwa 0,9. Die amerikanische Adipositas-Initiative APOP arbeitet mit 0,8 auf ein Zwischen­gewicht.

LeanPaw nimmt 1,0, also den vorsichtigsten Wert. Die niedrigeren Ansätze stammen aus tierärztlich begleiteten Programmen mit verordnetem Diätfutter und monatlicher Kontrolle. Eine App ohne diese Begleitung sollte lieber zu wenig einschränken als zu viel. Der Preis ist eine etwas langsamere Abnahme, und das ist die ungefährlichere Richtung.

Schritt 4 · Runden

Das Ergebnis wird auf 5 Kilokalorien gerundet. Eine Angabe wie 782,47 würde eine Genauigkeit vortäuschen, die die Methode nicht hat.

Ein vollständiges Beispiel

Hündin, 30 kg, soll 25 kg wiegen, kastriert

  1. Ziel ist Abnehmen, also zählt das Zielgewicht: 25 kg.
  2. RER = 70 × 250,75 = 70 × 11,18 = 782,5 kcal
  3. Faktor beim Abnehmen: 1,0
  4. 782,5 × 1,0 = 782,5, gerundet: 785 kcal pro Tag

Zum Vergleich: Derselbe Hund bei 25 kg im normalen Alltag halten, kastriert, ergibt 782,5 × 1,6 = 1250 kcal. Der Unterschied zwischen Abnehmen und Halten ist also erheblich, und er entsteht nicht durch eine willkürliche Kürzung, sondern durch den Wegfall des Aktivitätsaufschlags.

Sicherheitsgrenzen

Eine Formel allein ist gefährlich, wenn sie in jeder Situation eine Zahl ausspuckt. LeanPaw zieht deshalb mehrere Grenzen ein.

Untergrenze

Unterhalb von etwa 80 Prozent des Ruheumsatzes am Zielgewicht wird das Budget als zu niedrig markiert. Der Grund ist nicht die Kalorienzahl selbst, sondern die Nährstoffversorgung: Wer ein normales Erhaltungsfutter stark kürzt, unterschreitet irgendwann die Mindestmengen an Protein, Aminosäuren und Spurenelementen. Genau deshalb verordnen Tierarztpraxen bei stärkerer Reduktion ein eigens formuliertes Diätfutter statt einfach weniger vom gewohnten.

Tempo

Als sicher gilt ein Verlust von ein bis zwei Prozent des Körpergewichts pro Woche, also etwa drei bis fünf Prozent im Monat. LeanPaw rechnet daraus einen Zeitraum aus und nennt ihn. Schneller ist nicht besser: Es kostet Muskelmasse und begünstigt den Jo-Jo-Effekt.

Wo gar nicht gerechnet wird

In diesen Fällen liefert LeanPaw bewusst kein Budget, sondern verweist auf die Tierarztpraxis:

Trächtige und säugende Hündinnen, Welpen und echte Arbeitshunde liegen ausserhalb dessen, wofür diese Faktoren gedacht sind.

Die andere Hälfte · Kalorien im Futter

Ein Tagesbudget nützt nichts ohne den Energiegehalt des Futters. Auch hier gibt es eine Rangfolge, und LeanPaw hält sich daran, statt zu schätzen:

Reihenfolge, in der der Energiegehalt bestimmt wird
Rang Weg Verlässlichkeit
1 Angabe auf der Verpackung höchste
2 Angabe des Herstellers zum exakten Produkt hoch
3 Berechnung nach NRC 2006 aus der analytischen Zusammensetzung gut, etwa 2 % Abweichung
4 Modifizierte Atwater-Faktoren brauchbar, unterschätzt systematisch
5 typischer Wert für die Futterart grobe Näherung, wird als solche gekennzeichnet

In der EU ist die Kalorienangabe auf der Verpackung freiwillig, deshalb fehlt sie oft. Dann wird gerechnet. Wichtig zu wissen: Die Deklaration nennt Mindestwerte für Protein und Fett und Höchstwerte für Rohfaser und Feuchtigkeit, keine Mittelwerte. Ein daraus berechneter Wert trägt diese Unschärfe mit. LeanPaw kennzeichnet deshalb, woher die Zahl stammt.

Aus beidem ergibt sich die Menge:

Gramm pro Tag = Tagesbudget ÷ (kcal pro 100 g ÷ 100)

Was diese Zahl nicht ist

Der individuelle Energiebedarf eines Hundes weicht bis zu 30 Prozent nach oben oder unten von der berechneten Schätzung ab. Diese Zahl steht so in den WSAVA-Leitlinien. Sie ist keine Schwäche der Formel, sondern eine Eigenschaft lebender Tiere.

Daraus folgt alles Weitere. Das Budget ist ein begründeter Startwert, keine Vorhersage. Verlässlich wird es erst durch das Wiegen: alle zwei bis vier Wochen, und wenn der Verlauf nicht zur erwarteten Kurve passt, wird korrigiert, nicht weitergerechnet. Die Autorität liegt in der Rückkopplung, nicht in der Formel.

Ebenfalls unsicher ist das Zielgewicht selbst, wenn es aus einer Figur­einschätzung abgeleitet wurde. Die Faustregel lautet, dass jede Stufe über dem Idealzustand etwa zehn bis fünfzehn Prozent Körpergewicht entspricht. Eine Einschätzung durch die Tierarztpraxis ist genauer als jede Selbsteinschätzung am Küchentisch.

Für Tierarztpraxen und Hundeschulen

Was LeanPaw ausdrücklich nicht tut:

Das Tagesbudget lässt sich in der App von Hand überschreiben. Wenn eine Praxis 620 Kilokalorien vorgibt, trägt der Halter 620 ein, und die App rechnet damit weiter. Der berechnete Wert bleibt daneben sichtbar, damit die Herkunft der Zahl nie verschwiegen wird.

Halter können aus der App einen Verlauf als PDF erzeugen und zum nächsten Termin mitbringen: Gewichtskurve, durchschnittliche Aufnahme, Anteil an Snacks, fehlende Tage. Der Bericht entsteht auf dem Gerät, es werden keine Daten an Dritte übertragen.

Quellen

Die Berechnung stützt sich auf diese Arbeiten. Wo sie sich widersprechen, ist der Widerspruch oben benannt und die getroffene Wahl begründet.

Offengelegt

Nicht jede Entscheidung folgt zwingend aus den Quellen. Diese Punkte sind bewusst getroffene Festlegungen innerhalb der belegten Bandbreiten, und sie sollen als solche erkennbar sein:

LeanPaw ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, keine Diagnose und keine Behandlung. Bei Erkrankungen, Medikamenten, starkem Übergewicht oder wenn die Abnahme trotz eingehaltenem Budget stockt, gehört der Hund in eine Tierarztpraxis.